Handbuch der BKV e.V.

Vorwort


 

Vorwort

Die Geschichte der Mitgliedsvereine der BKV e.V. ist die Geschichte des ehem. Bayerischen Kriegerbundes, gegr. 1874.

Die Kriegervereine entstanden in Deutschland aus dem Wunsch von Kriegsveteranen, die Erinnerung an die gemeinsam verlebte Soldatenzeit und die Teilnahme am Krieg aufrechtzuerhalten. Diesem Ziel entsprechend waren sie in erster Linie gesellige, unpolitische Vereine.

Eine entscheidende Bedeutung für die Entwicklung des Kriegervereinswesens hatten die Einigungskriege mit der sich daran anschließenden Reichsgründung. Bedingt durch die allgemeine Wehrpflicht waren viele Männer aus einfachen Verhältnissen an diesen Kriegen beteiligt. Für sie wurden diese Feldzüge zu einem außergewöhnlichen Ereignis in ihrem Leben. Das Verlangen, die Erinnerung an ihren Beitrag, den sie als Soldaten zur Vereinigung der deutschen Staaten geleistet hatten, aufrechtzuerhalten, führte zu zahlreichen Gründungen von Kriegervereinen. Von da an entwickelte sich die Kriegervereinsbewegung innerhalb von 40 Jahren zum größten Verband in Deutschland. Diese Stellung behielt er bis zu seinem Aufgehen im nationalsozialistischen Staat im Jahre 1934.

Die Aufgaben des Kriegerbundes wurden bereits im Statut des "Bayerischen Veteranen-, Krieger- und Kampfgenossenvereins" vom 11. Mai 1874 festgelegt und während der Zeit des Kaiserreiches in ihrem Inhalt nicht mehr verändert. Dort steht unter § 4: "Stärkung der Treue für Kaiser, König und Vaterland und die Kräftigung des Bandes der Waffengemeinschaft und Kameradschaft auch im Zivilstande" sind die wesentlichen Aufgaben des Bundes. Ergänzt werden diese durch § 5, in dem ein "tätiges Eingreifen in alle an ihn gelangenden Fragen der Unterstützung altersschwacher und hilfsbedürftiger Vereinsgenossen" festgeschrieben wird. In der Satzung des "Bayerischen Veteranen- und Kriegerbundes" vom 23. Juni 1907 machte er sich außerdem zur Aufgabe, den "Sinn für bürgerliche Tugenden zu pflegen und dass Nationalbewusstsein zu fördern". Damit wurden das Treuebekenntnis zur Monarchie, die Pflege des Nationalbewusstseins und der Soldatenkameradschaft sowie der Wohlfahrtsgedanke als das materielle Band der Organisation festgeschrieben.

Der Bund bestand zur Durchführung dieser Aufgaben aus den bayerischen Kriegervereinen, die sich ihm an-schlossen. Diesen Vereinen wurde ausdrücklich die Wahrung ihrer Selbstständigkeit und Selbstverwaltung das Vereinsleben betreffend zugesichert. Eingeschränkt werden konnte diese nur insoweit, als dies in der Bundessatzung zur Erreichung gemeinsamer Ziele und Zwecke vorgesehen war. Das bedeutet aber auch, dass ordentliche Mitglieder nur die beigetretenen Vereine sein können. Damit wurde die Aufnahme von Einzelpersonen ausgeschlossen.

Zur besseren Verwaltung der Organisation wurden die Vereine 1875 entsprechend der militärischen Organisation den 32 bayerischen Landwehrbezirken, zu denen damals auch die Bezirke der Pfalz gehörten, zugeordnet. Aufgrund der jahrhundertealten gemeinsamen Geschichte der Pfalz und Bayerns trat schließlich am 02. Januar 1879 die "Pfälzische Kampfgenossenschaft" als Kriegerverband der Pfalz dem "Bayerischen Kriegerbund" bei. In den Landwehrbezirken oblag die Verwaltung der dortigen Kriegervereine aufgrund eines Beschlusses des 3. Delegiertentages vom 21. März 1877 einem von 30 durch den Delegiertentag aufgestellten Obmännern. Diese Regelung wurde bis 1897 aufrechterhalten. Am 28. Juni 1897 änderte der 17. Bundesdelegiertentag das Statut, wodurch eine Umgliederung des Bundes entsprechend der Organisation der Bezirksämter vorgenommen wurde. Damit vollzog der Bund eine Wandlung seiner Struktur weg von der militärischen, hin zur bayerischen Staatsverwaltung. Die Aufstellung der Bezirksobmänner erfolgte fortan durch das Bundespräsidium. In der Satzung des Bundes von 1907 wurde festgelegt, daß der Bezirksobmann durch die Vereine des betreffenden Bezirks gewählt werden sollte. Die Obmänner waren Vertrauenspersonen des Präsidiums und Vertreter desselben gegenüber den ihnen zugewiesenen Bezirken. Sie vertraten jedoch gleichzeitig die Interessen ihrer Mitgliedschaft gegenüber dem Bund. Zu ihren Aufgaben gehörte das Überwachen der Einhaltung der Satzungen und bei Verstoß gegen diese das Abstellen von Missständen, das Führen einer Mitgliederliste sowie die Stärkemeldung an die Bundesleitung, die Einberufung der Bezirks-Veteranen-Versammlung und die Berichterstattung derselben an das Präsidium. Schließlich waren sie gegenüber ihren Mitgliedschaften, Bundesangelegenheiten betreffend, weisungsbefugt. 1908 war die Struktur durch die Errichtung der letzten Bezirksobmannschaften zur Vollendung gebracht worden. Diese Gliederung sollte bis zum Dritten Reich weitgehend erhalten bleiben.

Einerseits zeigte die Struktur des "Bayerischen Kriegerbundes" den für das gesamte Deutsche Kriegervereinswesen charakteristischen Föderalismus, der sich stets am Staatsaufbau des Deutschen Reiches orientierte. Auf der anderen Seite war aber gerade diese spezielle Umstrukturierung die immer stärker gewordene Anlehnung und Einfügung des Bundes in das bayerische Staatssystem.

Die wichtigsten Entscheidungsorgane des Bundes waren der Bundesdelegiertentag und das Bundespräsidium. Die Bundesabgeordnetentage wurden zwischen 1874 und 1885 jährlich durchgeführt, danach nur mehr alle zwei Jahre. Beschickt wurde er durch Abgeordnete der Bundesvereine. Zu den Aufgaben des Delegiertentages gehörte die Entgegennahme des Geschäftsberichtes des Präsidiums, die Wahl der Bundesleitung sowie Diskussion und Beschlussfassung zu Gegenständen, die durch das Präsidium, die Abgeordneten oder durch einzelne Vereine auf die Tagesordnung gebracht wurden. Zudem entschieden die Abgeordneten über Satzungsänderungen und die Auflösung des Bundes. Der Delegiertentag war das oberste Entscheidungsgremium des Verbandes.

Das Bundespräsidium setzte sich aus dem Ehrenpräsidenten, dem geschäftsführenden Präsidium sowie jeweils zwei bis drei Präsidialmitgliedern, die auf die acht Regierungsbezirke des Königreiches verteilt waren, zusammen. Die Hauptaufgabe des Präsidiums lag in der Leitung und Führung der Geschäfte des Bundes. Außerdem vertrat der 1. Präsident oder in dessen Abwesenheit einer seiner Stellvertreter den Bund als juristische Person. Dieses Recht bestand seit der Verleihung der Korporationsrechte, die König Ludwig II. durch allerhöchste Verfügung am 18. Februar 1881 dem "Bayerischen Kriegerbund" zuerkannt hatte. Damit wurden dem Bund die Rechte aber, auch die Pflichten einer juristischen Person verliehen. Das bedeutete einerseits, dass der Verband vom bayerischen Staat anerkannt wurde; er wurde rechtsfähig. Auf der anderen Seite konnte er für sein Tun nun auch haftbar gemacht werden. Die juristische Person ist deliktfähig, sie haftet, aber nicht die Mitglieder, sondern die Organe, d.h., dass vor allem das Präsidium als leitendes Organ des Bundes von da an einer verstärkten Überwachung vonseiten der Staatsorgane unterlag. Trotzdem wurde die Verleihung der Rechte von der Bundesführung nur positiv gesehen, brachte sie doch den Bund in seinem Bestreben nach einer Einbeziehung in das Staatswesen einen guten Schritt weiter. Gleichzeitig stellten die Staatsbehörden aber auch fest, dass die Korporationsrechte nur für den Bund selbst galten, nicht jedoch für die einzelnen Vereine. Dadurch wurde von Staats wegen zusätzlich ein Anreiz für Kriegervereine geschaffen, die noch nicht dem Verband beigetreten waren, dies nun nachzuholen, da auch sie nach staatlicher Anerkennung strebten. So trug der bayerische Staat mittelbar zu einer Vergrößerung des "Bayerischen Kriegerbundes" bei.

Der Einfluss des bayerischen Staates auf das Kriegervereinswesen im Königreich reichte aber noch weiter. Nachdem seit der Übernahme des Protektorates durch Ludwig II. am 2. Juni 1875 diese Schirmherrschaft bis zum Ende des I. Weltkrieges stets vom jeweiligen bayerischen Staatsoberhaupt bekleidet worden war, brachte dies auch einen entsprechenden Einfluss auf den Bund mit sich. So wurden beispielsweise die Satzungen oder Satzungsänderungen dem Protektor zur Genehmigung vorgelegt. Daraus resultierten auch die selbst auferlegten freiwilligen Meldungen des "Bayerischen Kriegerbundes" gegenüber den Staatsbehörden, die in erster Linie durch das bayerische Innenministerium und das bayerische Kriegsministerium vertreten wurden. In der Satzung vom 23. Juni 1907 wurde ferner festgelegt, dass der 1. Präsident des Bundes durch den allerhöchsten Protektor ernannt werde, während die übrigen Präsidialmitglieder vom Abgeordnetentag für die Dauer von sechs Jahren gewählt wurden. Auch dieses Verfahren erinnert eher an das Vorgehen in einer staatlichen Behörde, in der der Leiter ebenfalls von vorgesetzter Stelle oder bei besonderer Wichtigkeit vom Staatsoberhaupt selbst ernannt wird. Aufgrund der exponierten Stellung des Bundespräsidenten wurde diese Position seit 1887 auch ausschließlich durch meist noch aktive, aber freigestellte Offiziere im Range eines Generalleutnants z.D. bekleidet. Dies hing einerseits wohl mit der ständig steigenden Zahl der Vereine und Mitglieder im Bund zusammen, andererseits spielte bestimmt auch die staatliche Wertschätzung dem Kriegervereinswesen gegenüber und das damit verbundene Streben des Bundespräsidiums nach einem weiteren Ausbau der Stellung den Behörden gegenüber eine Rolle.

Den Abschluss des formalen Aufbaus bildete die Genehmigung zur Siegelführung durch den Bund. Am 8. Mai 1912 genehmigte Prinzregent Luitpold dem Bundespräsidium, den Obmannsbezirken sowie den einzelnen Vereinen die Führung eines Siegels mit dem bayerischen Staatswappen. Somit war der Bund nun formal wie eine staatliche Behörde ausgestattet. Gleichzeitig bildete diese Maßnahme den Abschluss des formalen Aufbaus des Bundes im bayerischen Königreich.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Bayerische Kriegerbund in der Kaiserzeit in seiner Organisation dem Staatsaufbau in Bayern nachempfunden war und in manchen Punkten einer Behörde glich, was aber sowohl durch die Bundesleitung wie auch durch die Mitgliedschaften durchaus beabsichtigt war. Seine verbandsinternen Strukturen weisen viele demokratische Elemente auf, was den Bund aus heutiger Sicht als progressiv erscheinen lässt.

Im ersten Kapitel dieses Handbuches wird die Entstehungsgeschichte der Bayerischen Kriegervereine bis zur Gründung eines Landesverbandes erläutert. Es folgt die Beschreibung der Organisation des Bayerischen Kriegerbundes im Königreich. Anschließend wird auf die Konsolidierung und Reorganisation in der Weimarer Republik und auf das Aufgehen des Bayerischen Kriegerbundes im nationalsozialistischen Staat näher eingegangen. Den Schluss dieses Kapitels bildet die Beschreibung des Wiedererstehens der bayerischen Krieger- und Soldatenvereine nach dem II. Weltkrieg; insbesondere die Geschichte der Bayerischen Kameraden- und Soldatenvereinigung seit ihrer Gründung im Jahre 1956 in Altötting setzt hier den Schwerpunkt. Im Mittelpunkt des zweiten Kapitels steht die Organisation der Bayerischen Kameraden- und Soldatenvereinigung, deren Satzung und Ordnungen sowie das Verwaltungswesen. Das dritte Kapitel befasst sich mit Arbeitshilfen, die die Vereinsführung vor Ort in ihrer Tätigkeit unterstützen sollen.

Als Grundlage für die Erstellung dieses Handbuches dienten neben dem Handbuch für die Vertreter und Vereine des Bayerischen Kriegerbundes aus dem Jahre 1926 Protokolle der Landesversammlungen sowie vorhandene historische Zeitungsberichte.

 

In Treue fest, für Gott, Heimat und Vaterland

Hans Schiener